2. Platz im Championat von Basel mit Windsor

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Niklaus Rutschi belegte im Basler Championat
auf Windsor den zweiten Platz.

Fleiss, Konstanz und Teamarbeit
12.01.2016 14:07 von  Sonja Grob //

Niklaus Rutschi war bereits in jungen Jahren erfolgreich. Wann er seine beiden Schweizermeistertitel im Juniorenvierkampf gewann, weiss er zwar nicht mehr. Nun blickt aber der 49-jährige Berner, der seit vielen Jahren im luzernischen Alberswil daheim ist, auf sein erfolgreichstes Jahr im Springsport zurück. Auch ins neue Jahr startete er am CSI Basel bereits vielversprechend.

Seine Erfolge 2015 mit Windsor, den Niklaus Rutschi liebevoll «meinen dritten Buben» nennt, sprechen für sich: Im Januar der dritte Platz im Championat von Basel, kurz darauf 13. im Weltcupspringen in Zürich. Es folgten GP-Platzierungen in Rotterdam, Mannheim, Dublin und Barcelona. Im Sommer musste er sich im Grand Prix in St. Moritz nur knapp geschlagen geben und belegte den Ehrenplatz. Weitere gute Klassierungen gab es bei seinen Einsätzen in den Nationenpreisen. In Dublin half er dem Team dank einem fehlerfreien Umgang, sich für die Teilnahme am Final in Barcelona zu qualifizieren. Und letztes Wochenende folgte mit Windsor am CSI Basel der zweite Platz im Championat der Stadt Basel. Niklaus Rutschi belegte im Basler Championat auf Windsor den zweiten Platz.

Seine «Buben»
Mit seiner Frau Brigitte hat Niklaus Rutschi zwei Buben. Sein dritter hat vier Beine und ist Hol­länder: der zwölf­jährige Fuchswallach Windsor, den er als Dreieinhalbjährigen entdeckte. Sein damaliger Sponsor Robert Scheitlin, der leider viel zu früh verstarb, erwarb Windsor und stellte ihn Rutschi mehrere Jahre zur Verfügung, damit er ihn ausbildete und förderte. Heute ist Florian Meier Mitbesitzer. Windsor wird von einem tollen Team betreut. Für seine Freizeitbeschäftigung sind Brigitte Rutschi und Bereiter Michael Baumgartner zuständig, für die tägliche Arbeit der Chef persönlich. «Er ist wirklich wie mein dritter Bub», sagt der Alberswiler über Windsor. «Wir sind zusammen gross geworden und er bleibt bei mir, bis er sterben muss.» Klare Worte, die man ihm glaubt, denn sie kommen von Herzen. Sie gehören zur Familie (v. l.): Fabio, Brigitte, Niklaus und Marco Rutschi mit Windsor und dem Rhodesian Ridgeback Diego.Es fing mit einem Pony an

Aufgewachsen ist Niklaus Rutschi in Oberdiessbach, einem Dorf nördlich von Thun. In einer Metzgersfamilie, die eigentlich gar nichts mit Pferden zu tun hatte. Doch da war seine ältere Schwester, die ritt, und an einem Sonntag waren die Eltern mit dem kleinen Sohn auf dem nahe gelegenen Ponyhof zu Besuch. «Für einen Fünfliber durfte man auf einem Pony rundum reiten und dann fing meine Stürmerei beim Vater an.» Der fand dann tatsächlich ein Pony in der «Tierwelt» und es wurde bei einer Bekannten eingestellt.
Ohne je eine Reitstunde gehabt zu haben, ging es für Niklaus auf die Ausritte mit dieser Ponydame «und ich flog jedes Mal im hohen Bogen runter». Weise entschied man, es wäre wohl besser, wenn er das Reiten richtig lernt. Hausi Bürki war der Inhaber der Reitschule im gleichen Dorf, also was lag da näher. Das hiess zwar zuerst den ganzen Tag im Stall helfen und dann durfte man aufs Schulpferd. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo Niklaus sich entschied, aufs Pferd umzusteigen. «Da machte ich das Dümmste, was man machen kann», erinnert sich Niklaus Rutschi lachend. «Wir fuhren nach Huttwil zu Vater Zürcher, der uns ein halbhohes Pferd, einen Schecken, verkaufen wollte. Ich hatte aber mein Auge auf einen Vierjährigen geworfen.» Der wurde gekauft. Nicht gerade die ideale Zusammensetzung – der junge Niklaus Rutschi, der nicht richtig reiten konnte und ein junges Pferd. «Das Pferd stieg – und ich lag bewusstlos darunter.» Das war der Anfang seiner richtigen reiterlichen Ausbildung in den Stunden bei Hausi Bürki. Chefsache: Windsor wird auf den grossen Turnieren von Niklaus Rutschi selbst ausgeladen und in den Stall gebracht. Geplant war alles anders

Mit drei Schwestern war eigentlich klar, dass der Sohn den elterlichen Metzgereibetrieb übernehmen würde. So lernte Niklaus Rutschi zuerst auch diesen Beruf, machte die Handelsschule und wollte danach den halben Tagen arbeiten und die restlichen Stunden reiten. Die Pferde für seine Concoursteilnahmen stellte ihm damals Hans Ruchti zur Verfügung. Darunter auch jenes, mit dem er sogar an die Europameisterschaften der Junioren durfte.
Nach zwei Jahren kam der Wunsch immer mehr auf, das Reiten zum Beruf zu machen und er zog nach Müntschemier in den Stall Etter, wo er schliesslich acht Jahre blieb. «Nach sechs Jahren wollte mein Vater dann eine Entscheidung von mir, wie ich meine Zukunft sehe.» Und Niklaus Rutschi setzte voll auf die Karte Reiten. «Das war natürlich überhaupt nicht im Sinne meines Vaters. Der ganze Metzgereibetrieb war auf mich aufgebaut und er brachte alles immer auf den neusten Stand. Für ihn war mein Schritt deshalb schon schwer.» Für Niklaus Rutschi war es aber der Schritt, den er bis heute nicht bereut hat. «Ich machte danach die Ausbildung zum Reitlehrer und habe geheiratet» – kurz und bündig, wie er sich immer ausdrückt, erzählt er, wie es danach weiterging.

Bernbiet – Urnerland – Luzerner Hinterland
Brigitte Müller, wie seine Frau ledig hiess, war 1991 am selben Concours wie Niklaus Rutschi, wo sich die beiden kennenlernten. «Wir haben nicht lange gewartet», erklärt er. Damals in Müntschemier wohnhaft wurde im September 1993 geheiratet und im März 1994 kam mit Marco ihr ers­ter Sohn zur Welt. Zwei Jahre später wuchs die Familie auf vier Mitglieder, als Fabio geboren wurde.
Damals arbeitete Niklaus Rutschi bei Walter Suhner in Bremgarten, gab jedoch schon Reitunterricht in der Region seines heutigen Daheims. Auf Bremgarten folgte die Zeit bei Gislers in Seedorf und als sich die Familie entschloss, das Urnerland zu verlassen, war es naheliegend, sich im Luzernischen etwas aufzubauen. Erich Hermann, dem gemeinsam mit seiner Frau Gaby der Betrieb Neuhaus gehört, war schon in Seedorf bei Niklaus Rutschi in den Reitstunden und machte ihm das Angebot, sich bei ihm einzumieten. «Der Zufall wollte es wohl, dass hier Boxen frei waren, eine Halle stand zur Verfügung und in der Nähe war ein Haus frei – also nutzten wir die Gelegenheit», begründet er den Umzug. Taktische Gespräche während der Parcoursbesichtigung – Niklaus Rutschi (links) mit Paul Estermann und den Deutschen Daniel Deusser und David Will.Ausbildung von Pferd und Reiter

Die früheren Kunden folgten ihm und so war der Grundstein für den heutigen Betrieb gelegt. Der Stall besteht aus zwei Betrieben. Niklaus und Brigitte Rutschi sind eingemietet. Neben der Ausbildung von Pferd und Reiter fühlen sich auch Pensionäre in der herrlichen Umgebung wohl. Unabhängig voneinander geben sie Reitstunden: Niklaus Rutschi im Springen, seine Frau wie auch Gaby Hermann unterrichten Dressur. «Wir haben uns in all diesen Jahren auf die Ausbildung von Pferd und Reiter spezialisiert – das ist unser Ding», erklärt Brigitte Rutschi. Als einer der besten Ausbildner für Pferde hat sich ihr Mann einen Namen gemacht. Wobei die Arbeit immer mehr wird. «Mit den Weltbesten mithalten, junge Reiter fördern und betreuen und gleichzeitig Pferde ausbilden – da sind wir immer auf gute Mitarbeiter angewiesen», weiss Niklaus Rutschi. Mit ihrem Bereiter Michael Baumgartner steht ihnen dabei eine gute Stütze zur Seite. Denn nicht nur Pferd und Reiter erhalten bei Rutschis eine gute Ausbildung, seit 1997 lernten bislang elf Bereiter- und Pferdepflegerlehrlinge hier ihr Handwerk.

Unterstützung aus der Familie
Seit einigen Wochen hat Brigitte Rutschi Entlas­tung aus den eigenen Reihen erhalten. Sohn Marco hat seine Lehre als Landschaftsgärtner abgeschlossen, die Rekrutenschule absolviert und ist nun eine wertvolle Hilfe zu Hause. «Als unsere Pflegerin uns unerwartet verliess, fand er, er würde das gerne mal machen», begründet der Vater den Entscheid des Sohnes. «Also probieren wir es jetzt einmal für ein Jahr. »
Marcos Ziel ist jetzt, die Lastwagenprüfung zu absolvieren und so wird sich Niklaus Rutschi in Zukunft etwas zurücklehnen können bei den Fahrten an die Turniere. Seine Frau ist froh, wenn ihr Sohn sie ein bisschen entlastet und ablöst. Doch klar ist die Aussage ihres Mannes: «Ohne Brigitte wäre ich nicht, was ich heute bin. Ich bin zwar derjenige, der allein in die Arena reiten muss, aber der Erfolg ist vom ganzen Team.»

Gute Pferde gesucht
Seit 2001, als Niklaus Rutschi mit Tanorah in Genf den Final der Youngsters gewann, öffneten sich immer wieder weitere Tore. Es folgten gute Pferde und Sponsoren. «Robert Scheit­lin gab mir eine Plattform, die mich weitgehend getragen hat», erklärt er. Neben Windsor stehen ihm Ba­loubelle CH (Besitzerin Silvia Meyer), die zwar erst siebenjährig ist, und Car­dano (von Trudy Graf) zur Verfügung sowie junge, talentierte Pferde aus dem Stall von Christine di Gallo, auf die er grosse Hoffnungen setzt. «Doch gab es leider einen herben Rückschlag, mit Si Gracieuse Ardente von Chris­tine Di Gallo habe ich gerade ein tolles Pferd verloren.» Die Stute, welche Windsor so gut auf höchs­tem Niveau unterstützte und entlastete, musste aus gesundheitlichen Gründen aus dem Sport genommen werden und ist jetzt in der Zucht.
«Ich werde immer reiten», ist für Niklaus Rutschi klar, «aber einen Windsor findet man nicht von heute auf morgen. Ich hoffe natürlich, dass jemand hellhörig wird.» Denn wenn er auf diesem Niveau weiter dabei sein wolle, brauche er ständig gute Pferde. «Sonst wird alles von kurzer Dauer sein und ich werde auf einem anderen Niveau in den Parcours reiten», ist sich Niklaus Rutschi, der von sich sagt, er sei halt ein Spätzünder, bewusst. Junge Pferde ausbilden – das wird immer eine Leidenschaft von ihm sein. «Diese Arbeit mache ich gerne, wobei eine Grundqualität schon vorhanden sein muss.» Den Lebens­unterhalt für sich und seine Familie verdient er ja nicht nur mit dem Sport, der ein wichtiger Teil davon, aber auch kosten­intensiv ist.

Das Rad dreht sich immer weiter
Die Ausbildung von Pferden und Reitern ist das grosse Standbein, das er auch den ambitionierten Junioren vermittelt. «Ich versuche immer, mein Wissen und meine Erfahrungen an meine Sprösslinge weiterzugeben und sie dadurch langsam an die immer schwierigeren Aufgaben heranwachsen zu lassen.»
Wichtig für den erfolgreichen Reiter und Ausbildner Niklaus Rutschi ist, seinen Schülerinnen und Schülern das Feingefühl für das Pferd im richtigen Moment zu vermitteln. Womit sich das Rad immer weiter drehen wird für ihn, der Pferde und Reiter weiterbringt.

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